Heinrich Eduard Jacob - Biographie
Namen,
unter denen der Schriftsteller veröffentlichte:
Heinrich Eduard Jacob - Eric Jens Petersen (Pseudonym)
Früherer Name:
Henry Edward Jacob (Geburtsurkunde Nr. 921 des Standesamtes
Berlin 1/11)
Geburtsdatum: 7. Oktober 1889 in Berlin (Friedrichstadt),
Charlottenstrasse 50/51
Sterbedatum: 25. Oktober 1967 in Salzburg
Gemeinsam mit seiner Frau Dora ist Heinrich Eduard
Jacob auf dem Jüdischen Friedhof an der Heerstrasse
in Berlin (Charlottenburg) beigesetzt.
Eltern:
Richard Jacob, geb. 01. April 1847, gest. 1898, Bankdirektor,
Agyptologe und Zeitungsherausgeber sowie Verfasser
von Reiseromanen. Zusammen mit dem Generalfeldmarschall
Helmuth Graf von Moltke (1800-1891), dem Physiker
Hermann von Helmholtz (1821-1894), dem Fürsten Hermann
Graf von Hatzfeld (1848-1933) und anderen begründete
er 1883 die Sektion Berlin des Deutschen Kolonialvereins.
Am 1. Oktober 1890 wurde er mit dem Ritterkreuz des
österreichischen Franz-Josef-Ordens ausgezeichnet.
Ebenso besaß er den St.-Stanislaus-Orden, Martha Jacob
geb. Behrendt, geb. 28. Januar 1865, gest. vermutlich
1942 nach der Verschleppung durch die Nationalsozialisten
in den Osten. Die Ehe wurde 1895 geschieden. Im selben
Jahr neuerliche Heirat Martha Jacobs mit dem Wiener
Bankier Edmund Lampl. 1898 übersiedelte Martha Jacob
mit den Kindern von Berlin nach Wien. 1916 wurde auch
diese Ehe geschieden.
Geschwister:
Heinrich Eduard Jacob hatte einen älteren Bruder,
den Rechtsanwalt Dr. Robert Jacob und eine jüngere
Halbschwester, Alice Lampl, geb. 07. Juni 1898, gest.
am 21. September 1938 durch Freitod.
Ehefrau:
Dora Jacob geb. Angel geboren am 29. September 1889
in Wien gestorben am 26. Februar 1984 in Berlin Die
Eheschließung fand am 10. Februar 1939 in Wien (Standesamt
Leopoldstadt Nr. 463/39) statt. In erster Ehe war
Dora Jacob, die Schauspielerin an Max Reinhardts "Deutschem
Theater" in Berlin war, mit dem österreichischen Schriftsteller
Otto Soyka, geb. 09. Mai 1882, gest. 02. Dezember
1955, verheiratet. Aus dieser Ehe stammte eine Tochter,
Hedwig Soyka, geb. 21. August 1914 in Wien, gest.
30. März 1958 in Barnstable, MA (USA). Dora Jacob
hatte einen Bruder, den Schriftsteller und Psychologen
Dr. Ernst Angel, geb. 11. August 1894 in Wien, gest.
10. Januar 1986 in New York. Weiterhin war Dora Jacob
die Cousine von Lucy F. Tal geb. Traub, die heute
in USA lebt und die Witwe des Wiener Verlegers Ernst
Peter Tal ist.
Ausbildung, Tätigkeit, wesentliche Wohn- und Arbeitsorte:
Am 8. Oktober 1895 Einschulung in die Vorschule des
"Königlichen Französischen Gymnasiums" in Berlin.
Mit der Versetzung nach Sexta im Oktober 1898 wechselte
er an die "Evangelische Privat-Schule mit dem Öffentlichkeitsrechte"
in Wien. Ab dem Schuljahr 1899/1900 besuchte er das
"k. k. akademische Gymnasium" bzw. das "k. k. Maximilians-Gymnasium"
in Wien bis zum Ende des Schuljahres 1900/1901. Von
1902 bis 1909 Schüler des "Askanischen Gymnasiums"
Berlin, Hallesche Strasse (heute: Kaiserin-Augusta-
Straße 19 in Berlin-Tempelhof). Dort wesentliche literarische
und altsprachliche (Latein, Griechisch) Förderung
durch seinen Lehrer Dr. Otto Gruppe, geb. 18. Juli
1851, gest. 27. November 1921, der 1903 den berühmten
"Kulturhistorischen Verein" am "Askanischen Gymnasium"
gründete und leitete. Von Gruppe stammt die "Griechische
Mythologie und Religionsgeschichte", München 1906,
und die "Geschichte der klassischen Mythologie und
Religionsgeschichte", 1920. Unter Gruppe wirkte Jacob
u.a. an den Aufführungen der Dramen "Fiorenza" von
Thomas Mann (1905 bei S. Fischer in Berlin erschienen)
und "Alkeste" (in griechischer Sprache) mit. Ostern
1909 legte Jacob sein Abitur ab. Das Thema des Aufsatzes
im Fach Deutsch zum Abitur lautete: "Das Heroische
in Schillers Leben und Dichtung". Am 28. März 1909
erfolgte die Schulentlassung, wobei Jacob als Studienwunsch
"Germanische Philologie" angab. Weitere berühmte "Askanier"
waren beispielsweise Kurt Hiller, Julius Bab und CarlFriedrich-Wilhelm
(C.F.W.) Behl. - Studium der Germanistik, Geschichte,
Literatur- und Musikwissenschaften an der Universität
von Berlin, unter anderem bei Erich Schmidt ("Lessing-Schmidt"),
Max Friedlaender und Wilhelm Klatte. Am 8. November
1909 im Zuge der Veranstaltung in Neumanns Festsälen
Mitgliedschaft im "Neuen Club" von Kurt Hiller. -
1910 Theaterkritiker des Charlottenburger Wochenblattes
"Herold" (Geschäftsstelle: Berlin-Charlottenburg,
Uhlandstraße 14). 1912 Mitarbeiter (evtl. Leiter des
Feuilleton) der Berliner Wochenzeitschrift "Deutsche
Montags-Zeitung" (Geschäftstelle: Schöneberger Ufer
32, später Motz- strasse 8). Dramaturgischer Berater
von Prof. Max Reinhardt. - 1927 in den Vorstand der
"Kleiststiftung" gewählt. 1927 Beisitzer der Prüfstelle
Berlin für Schund- und Schmutzschriften (Gruppe Kunst
und Literatur) des Reichsministers des Innern (Nr.
III 2767/17.8. vom 19. August 1927). 1928 (?) Mitglied
der "Deutsch-Französischen Gesellschaft e.V., Berlin
Im Februar 1928 wurde die Ortsgruppe Wien der "Deutsch-Französischen
Gesellschaft" gegründet. Im Ehrenkomitee befanden
sich neben Heinrich Eduard Jacob der Chefredakteuer
der "Neuen Freien Presse" in Wien, der Verleger Paul
von Zsolnay sowie Arthur Schnitzler. Mitglied des
"P.E.N.-Clubs" und des "Schutzverbandes Deutscher
Schriftsteller". Auch Mitglied des Exil-PEN. Vom 01.
Oktober 1927 bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten
1933 in Deutschland leitete er das Mitteleuropäische
Büro des "Berliner Tageblatts" in Wien; war dessen
Auslandskorrespondent für vier Ressorts: Theater-
und Musikkritik, Politik und Feuilleton. 1957 Mitglied
der "Stefan Zweig-Gesellschaft" in Wien, zugleich
gehörte er dem Gründungskomitee dieser Gesellschaft
an. Wohn- und Arbeitsorte waren hauptsächlich Berlin,
Wien, New York, Paris, London, Zürich, Stockholm,
Budapest, Prag, Rio de Janeiro u.v.a.m. 8. 1933 verlor
Heinrich Eduard Jacob seine stelle als Chefkorrespondent
des "Berliner Tageblatts" in Wien. Seine Werke standen
auf der ersten "Schwarzen Liste" der Nazis (auf dem
Gebiet der schönen Literatur umgehend sein Roman BLUT
UND ZELLULOID) und fielen der Bücherverbrennung des
10. Mai 1933 zum Opfer. Fortan lebte HEJ als "freier"
Schriftsteller in Wien, bis er im Dezember 1935 im
Zuge einer Anklage gegen seine Mutter und Schwester
verhaftet wurde. Der sich anschließende Prozess endete
am 10. Februar 1938 zwar mit einen Freispruch für
HEJ, zwischen dem Freispruch und dem Einmarsch Hitlers
Wehrmacht in Österreich lagen nur vier Wochen, also
viel zu wenig Zeit, um noch etwas für die Emigration
zu unternehmen, zumal die Staatsanwaltschaft gegen
das Urteil noch eine Nichtigkeitsbeschwerde führte.
Bedingt durch den politischen Umsturz wurde HEJ am
22. März 1938 von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo)
erneut verhaftet und in "Schutzhaft" genommen. Am
1. April 1938 war HEJ beim "1. Wiener Transport" von
"Schutzhäftlingen" ins Konzentrationslager Dachau
- dem sogenannten Prominentenzug - dabei. Mit dabei
beim 150 Personen umfassenden Transport waren z.B.
Raoul Auernheimner, Leopold Figl, Viktor Matejka,
Anmand Eisler, Heinrich Sussmann und Bruno Heilig.
Danach kam er ins KZ Weimar-Buchenwald. Auf Betreiben
seiner umsichtigen und klugen Frau Dora, wie deren
ganze Familie und eines amerikanischen Onkels (Michael
J. Barnes, Bruder der Mutter Jacobs), "reklamierten"
die Vereinigen Staaten von Amerika HEJ, so dass er
am 10. Januar 1939 Buchenwald verlassen konnte. Nachdem
er in Wien seiner Meldeverpflichtung nachgekommen
war, emigrierte Jacob nach England und gelangte am
14. Juli 1939 in die Vereinigten Staaten, deren Staatsbürger
er am 28. Februar 1945 wurde. In Verbindung mit der
Anklage gegen seine Mutter und Halbschwester wurde
die mehrere tausend Bände umfassende Bibliothek gepfändet
und kam im Wiener "Dorotheum" zur Versteigerung.
Jacob war damit sein "Handwerkszeug" genommen. In
diesem Zusammenhang und der sich anschließenden KZ-Internierung
verlor Jacob auch den größten Teil seiner bis dahin
geführten Berufs- und Privatkorrespondenz. 1953 kehrten
Dora und Heinrich Eduard Jacob aus dem amerikanischen
Exil zurück und trafen am 10. Juni 1953 im französischen
Le Havre ein. Deutschen Boden betraten sie erstmals
wieder am 16. Juni 1953. Danach hielten sie sich hauptsächlich
in London, Zürich, Hamburg, Frankfurt/M., München,
Berlin und Salzburg auf.
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