Heinrich Eduard Jacob
Between Two Worlds - Zwischen zwei Welten
Heinrich Eduard Jacob (1889-1967), ein großer
deutscher Erzähler der zwanziger und dreißiger
Jahre, ehe ihn der Nationalsozialismus in die Emigration
trieb und die Nazis sein Werk der ,"Ausradierung"
und "Ausmerzung" anheim stellten, teilt sein Schicksal
mit anderen Künstlern der damaligen Zeit: 1945,
mit dem Ende des Hitler-Regimes, begann ein Wettlauf
wider des Vergessens, den viele verloren, weil ihre
Welt in den Augen derer, die eine "Innere Emigration"
im Reich der Nazi-Tyrannei vorzogen und jetzt
in Windeseile die kulturellen Lücken schlossen
- aber auch in den Augen der jungen literarischen
Avantgarde des Nachkriegsdeutschlands - eine Welt
von gestern war.
Die vorliegende Arbeit von Hans Jörgen Gerlach
gibt einen bewegenden und höchst informativen
Einblick in das Leben und Oeuvre Jacobs. Es ist die
erste umfangreiche bio-bibliographische Zusammenstellung;
ein Repertorium, das akribisch Daten und Fakten aneinanderreiht.
Der spannende Streifzug erfaßt bislang völlig
unbekannte Stationen im Leben Heinrich Eduard Jacobs.
Seine großbürgerliche Kindheit und Jugend
wird dargestellt, ebenso Irrungen und Wirrungen
der Mutter und seiner Halbschwester. Seine Gehversuche
bei den Expressionisten im Neopathetischen Cabaret,
sein Schaffen als Herausgeber der Blätter
für Dichtung, Kritik und Graphik "Der Feuerreiter"
sowie der Deutsch-Franzosischen Rundschau,
einer Monatsschrift der Deutsch-Französischen
Gesellschaft, seine Karriere als hochgestellter Journalist
unter dem legendären Theodor Wolff beim Berliner
Tageblatt und der glänzende Weg als Schriftsteller
werden nachgezeichnet. Neben diesen Angaben findet
die Leserin und der Leser in chronologischer Anordnung
die Bibliographie der Buchveröffentlichungen
sowie der Werke, deren Mitautor Jacob war. Auch die
Leidensstrecke Jacobs von der Bücherverbrennung
über die Internierung in den Konzentrationslagern
Dachau und Buchenwald und die Emigration über
England in die Vereinigten Staaten von Amerika ist
übeschrieben. Beeindruckend und von Forscherfleiß
geprägt ist das Quellenregister zur Sekundärliteratur,
das Gerlach über Jacob zusammentrug. Nicht minder
imposant das Verzeichnis von Rundfunksendungen, an
denen Jacob mitwirkte und die Auflistung seiner Korrespondenzpartnerinnen
und -partner.
Wie beiläufig erschließt Gerlach manches
über Leben und Werk anderer Vergessener: Über
Jacobs Schwager Ernst Angel (1894-1986), einem österreichischen
Expressionismusdichter, oder Otto Soyka (1882-1955),
ein Meister des psychologischen Kriminalromans und
erster Ehegatte von Jacobs Ehefrau Dora, aber auch
über den Wiener Lyriker und Verleger Ernst Peter
Tal (1888-1936) und dessen Ehefrau Lucy F. Tal (1896-1995)
werden Hinweise geliefert, die bisher nicht bekannt
waren. Ins biographische Dunkel wird Licht gebracht
Mit seiner Materialfülle und Faktenvielfalt
schließt dieses Kompendium eine längst
zu füllende Lücke der Literaturwissenschaft
und versteht sich als Beitrag zur Sicherung von
Lebensspuren. Die Arbeit verdient einen Platz
in jeder öffentlichen und natür1ich auch
privaten Bibliothek von Literaturwissenschaftlerinnen
und -wissenschaftlern. Mancher weiße Fleck zur
Literatur des Expressionismus, der Weimarer Republik,
der Exilliteratur nach 1933 und der Literatur ab 1945
wird beseitigt. Aufjeden Fall soll und wird das Repertorium
die Jacob-Forschung weiter anregen und ihr als Grundlage
dienen.
Hans-Jörgen Gerlach: Heinrich Eduard Jacob
- between two worlds - zwischen zwei Welten. Erschienen
im Shaker Verlag, Aachen 1997, ISBN 3-8265-2567-1
|